Nachbarn von gestern

Historisches aus dem Abteilungsgebiet

Zentral gelegen war der Wilmersdorfer Norden schon in der Vergangenheit ein Anziehungspunkt für viele Künstler, Politiker, Schriftsteller, Journalisten. In der Arbeitsgruppe Stadtspaziergänge erarbeiten wir regelmäßig Touren zu den entsprechenden Wirkungsstätten. In dieser Rubrik "Nachbarn von gestern" wollen wir in loser Folge Menschen vorstellen, die bei uns im Kiez gelebt, gearbeitet oder gewirkt haben.

Egon Erwin Kisch


Egon Erwin Kisch 1934 in Melbourne, Sam Hood, Public domain

Am 29. April 1885 in Prag wurde Egon Erwin Kisch geboren. Er wohnte bis zum 30.1.1933 in der Güntzelstrasse 3. Eine Gedenktafel erinnert heute an den prominenten Nachbarn, der diese Wohnung mit dem Regierungsbeginn der Nationalsozialisten aufgab und als KPD-Mitglied vorsichtshalber in die Motzstrasse umzog. Genützt hat es ihm nichts. Am 28.2.1933 wurde er auch dort unter dem Vorwand des Reichstagsbrandes verhaftet, wegen seiner tschechischen Staatsangehörigkeit aber zum Glück wieder freigelassen und ausgewiesen. Die Metropole Berlin übte auf Kisch erhebliche Anziehungskraft aus. Doch die Freundschaft entwickelte sich langsam. Als er 1905 für ein Semester zum Studium an einer Journalistenschule nach Berlin kam, schrieb über die Berliner wenig Schmeichelhaftes : Der Berliner sei im Allgemeinen ein Ekel, im besonderen 2 Ekel und die Berlinerin ein Konglomerat von Ekeln, hieß es in einem Brief an seinen Bruder. Zurückgekehrt 1913 schrieb er für das »Berliner Tageblatt«, die einflussreiche liberale Tageszeitung und wurde am Deutschen Theater als Dramaturg engagiert. In dieser Funktion war er unmittelbarer Nachfolger Gerhard Hauptmanns. Der erste Weltkrieg unterbrach seine Berliner Karriere. Zum dritten Mal trifft Kisch 1921 in Berlin ein. Es folgt ein dauerhafter Aufenthalt u.a. in der Güntzelstrasse 3. Hier schreibt er Beiträge für namhafte Publikationen. Im bunten deutschen Blätterwald gibt es viele, die Kisch als Autor schätzen und es erscheinen u.a. 2 Bücher, die unseren ehemaligen Nachbarn bis heute bekannt machen. 1923 erscheint „Klassischer Journalismus“. Ein Standardwerk bis auf den heutigen Tag. Kurt Tucholsky lobte es und wollte es jedem Journalisten zu Weihnachten schenken. Gegen Ende des Jahres 1924 kommt dann »Der rasende Reporter« heraus. Der Titel wurde zum Beinamen unseres Nachbarn. Zwischen 1977 und 2004 wurde in Deutschland der von Henri Nannen gestiftete Egon-Erwin-Kisch-Preis verliehen – eine Auszeichnung für die beste journalistische Arbeit sowie für eine engagierte literarische Leistung. Nach seiner Ausweisung entkam Kisch den Nazis durch verschiedene Aufenthalte in Europa und schließlich in Mexiko. Sein journalistisches und schriftstellerisches Schaffen setzte er in der gesamten Zeit fort und verstarb 1948 in Prag. Gern besuchte unser Nachbar während seiner Berliner Zeit das Romanische Cafe am heutigen Breitscheidplatz, das bis 1933 ein beliebter Treffpunkt linksintellektueller Kreise war. Vielleicht war es auch dort, dass er die spielerische Beschreibung seines Lebens vornahm, die ihm so zugeschrieben wird: „Weißt Du, mir kann eigentlich nichts passieren. Ich bin ein Deutscher. Ich bin ein Tscheche. Ich bin ein Jud. Ich bin aus gutem Hause. Ich bin Kommunist. Ich bin Corpsbursch. Etwas davon hilft mir immer.“

 

Leon Jessel


Leon Jessel

Leon Jessel (1871-1942) war ein Komponist, der vor allem vor und nach dem Ersten Weltkrieg bis Ende der zwanziger Jahre Operetten und Singspiele komponierte. Seinen größten Erfolg feierte er mit der Operette Das Schwarzwaldmädel (uraufgeführt 1917 in der Komischen Oper Berlin). Bald nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung mit Aufführungsverbot belegt. Ende 1941 wurde er von der Gestapo festgenommen und im Polizeipräsidium am Alexanderplatz während eines Verhörs so schwer misshandelt, dass er an den Folgen im Jüdischen Krankenhaus am 4.1.1942 verstarb. Das Grab von Leon Jessel befand sich zunächst auf dem Friedhof Stahnsdorf und wurde 1955 auf den Wilmersdorfer Friedhof, Berliner Straße, umgebettet (Lage: C 8 - 16a-23). Der Bezirk hat einen Platz an der Sigmaringer Strasse mit der Skulptur „Wasserpilz“ nach ihm benannt. An der Düsseldorfer Strasse 47 – einem ehemaligen Wohnhaus des Künstlers – findet sich eine Gedenktafel.

 

Termine

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21.11.2017, 19:30 Uhr - 21:30 Uhr Abteilungsversammlung
Thema: Selbstverwaltete Kulturzentren - was ist das das? Referent: Rainer Witteck, Sprecher der Initiative Sc …

25.11.2017, 11:00 Uhr - 16:30 Uhr Workshop "Für wen machen wir Politik - was tun?
Referent: Thorben Albrecht, Staatssekretär beim BM für Arbeit und Soziales; Leitung: Farhad Dilmaghani

12.12.2017, 19:30 Uhr - 21:30 Uhr Jahresendfeier

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KOSTENLOSE RECHTSBERATUNG

Die SPD Wilmersdorf-Nord bietet  jeden 2. Mittwoch im Monat für Fragen des Miet-, Familien- und Arbeitsrechts eine kostenlose Beratung an.

Die Termine:

Mittwoch, 08.11.2017, 17:30 - 18:30 Uhr

Mittwoch, 13.12.2017, 17:30 - 18:30 Uhr

Ort: SPD-Laden in der Kita Aventura, Nikolsburger Platz 6, 10717 Berlin (U-Bahnhof Hohenzollerndamm).

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