Seit über 40 Jahren: Nikolsburger Platz 6

Auch ein Stück Parteigeschichte - von Eberhard Henze

Im Jahre 1975 v. links n. rechts: Hans-Peter Rueß, Hans Stimmann, Günter Kohlbacher (verdeckt),
Anna Damrat, Manfred Werling, Elmar Hörath, Eberhard Henze, Hans-Ulrich Ronnger, Margret Jahnke-Stimmann (im Fenster).

1972 war es. Die Jungsozialisten Wilmersdorf – damals eine gewaltig wahrnehmbare politische Arbeitsgemeinschaft (nicht nur) in der SPD – brauchten für ihre politische Arbeit Platz. Platz für Sitzungen/Tagungen/Versammlungen. Platz für öffentliche Beratungen und Informationen der Wilmersdorfer Bevölkerung, insbesondere der Jugend und der ArbeitnehmerInnen. Platz für die Redaktion und die Herstellung des „Der lange Marsch“, des Informationsorgans der Wilmersdorfer Jusos und (immer auch) der „WiLi“, der Wilmersdorfer Linken in der SPD.

Gefunden wurde ein geeigneter Laden am Nikolsburger Platz 6. Dieser musste finanziert werden. Partei zahlt nichts. Also, wurde ein Verein gegründet, eine Satzung erarbeitet; die „Aktion fortschrittliche Politik e.V.“ (AfP) wurde am 03.07.1972 geboren. Subbotniks - also – freiwillige Arbeitseinsätze – und nicht nur am Sonnabend – wurden organisiert und nach gründlicher Renovierung mit viel roter Farbe, musste der Laden ja auch einen Namen haben. Juso-Laden sollte er heißen war die nahezu einstimmige Meinung. Aber denkste. Die damalige Wilmersdorfer Mehrheits-SPD (Rechts!) hat dies schlicht und einfach verboten. Der Begriff „Jungsozialisten in der SPD“ (Jusos) ist durch die SPD geschützt und nur mit ihrer Erlaubnis zu verwenden. Später folgte auch mit dem „Maulkorberlass“ innerparteiliche Zensur und später die Berufsverbote. Aber zurück. Nach einer langen inhaltlichen Diskussion wurde der neue Name generiert: Polit-Laden stand nun in großen Lettern über Tür und Schaufenster.

Zur Eröffnung gab es ein richtig großes Kinderfest am Nikolsburger Platz und in der Nikolsburger Straße (war damals noch Durchgangsstraße) unter Einbeziehung der beiden dortigen Grundschulen. Mit allem, was wir uns so vorgenommen hatten wurde nunmehr begonnen. Richtig berühmt über die Grenzen des damaligen Berlin (West) hinaus wurden wir mit unserer (damals nahezu noch einzigartigen) wöchentlichen Mieterberatung, die über viele Jahre hinweg den Laden bekannt gemacht hat.

Im April 1974: „Attentat auf Juso-Büro“ titelte u.a. das „Spandauer Volksblatt“. Vermutlich rechtsradikale Täter schossen aus einem Auto heraus auf Genossinnen und Genossen. Nur dem Umstand, dass ein Genosse „gedient“ hatte, eine Fehlzündung von Schüssen unter-scheiden konnte und aufforderte sich hinzuwerfen, ist es wohl zu verdanken, dass niemand zu Schaden kam. Die Einschusslöcher in Kopfhöhe waren noch viele Jahre in Tafel, Türrahmen und Wand zu begutachten. Aufgrund der Tatsache, dass in der gesamten Medienlandschaft nunmehr nur noch von „Juso-Büro“ oder „Juso-Laden“ die Rede war, entschied der Kreisvorstand der Wilmersdor-fer SPD gnädig, dass der Laden nunmehr auch Juso-Laden heißen darf.

 


Klaus Wowereit vor Wandgemälde

Herauszuheben ist noch das Wandgemälde im Laden. Unter Anweisung und mit Hilfe einer chilenischen Künstlergruppe - nach dem Putsch in Chile bei uns im Exil - wurde es von vielen begabten und weniger begabten Genossinnen und Genossen quasi in einem „Workshop“ gemeinschaftlich erstellt und bis heute fast vollständig erhalten und “gesichert“. (So kann auch heute noch Klaus Wowereit Neumitglieder vor diesem Bild begrüßen.)

Die weitere Entwicklung des Ladens geht einher mit der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung und dem Rückzug der SPD aus der Gesellschaft in die Rathäuser. Der Trägerverein verlor Mitglieder über Mitglieder und bald nach der Aufnahme von Zahlungen hieß der Laden SPD-Laden und später dann auch vornehmer Bürger-Laden. In diesem Jahrzehnt wurde er nahezu nur noch zu Sitzungen genutzt und als die benachbarte deutsch-spanische Kita „Aventura“ nach einem Untermietvertrag „für tagsüber“ fragte, wurde dem wegen der Möglichkeit Kitaplätze zu unterstützen, aber auch wegen Geld, gerne nachgegeben.

An viele politische und gesellschaftliche Impulse, die vom Nikolsburger Platz 6 ausgingen, erinnert heute außer dem Wandgemälde noch ein SPD-Logo in der Tür. Als Mitbegründer des Ladenvereins überkommt einen gelegentlich die Wehmut.

 

Aber Träumen ist erlaubt. Zum Fairtradefrühstück Charlottenburg-Wilmersdorf am 18.5.2013 war die Zentrale des „fair gehandelten Kaffee“ im Laden und Franziska Becker als direkt gewählte Abgeordnete spricht gerade über Sprechstunden im Laden und in der Abteilung 98 wird auch noch von einem Fest am Nikolsburger Platz geträumt.

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Der Autor Eberhard Henze war lange Fallmanager beim Jobcenter, später Personalrat und ist jetzt Rentner. Das Foto zeigt ihn bei einem Besuch am Grab von Ferdinand Lassalle in Breslau (Wroclaw).
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Termine

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21.11.2017, 19:30 Uhr - 21:30 Uhr Abteilungsversammlung
Thema: Selbstverwaltete Kulturzentren - was ist das das? Referent: Rainer Witteck, Sprecher der Initiative Sc …

25.11.2017, 11:00 Uhr - 16:30 Uhr Workshop "Für wen machen wir Politik - was tun?
Referent: Thorben Albrecht, Staatssekretär beim BM für Arbeit und Soziales; Leitung: Farhad Dilmaghani

12.12.2017, 19:30 Uhr - 21:30 Uhr Jahresendfeier

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KOSTENLOSE RECHTSBERATUNG

Die SPD Wilmersdorf-Nord bietet  jeden 2. Mittwoch im Monat für Fragen des Miet-, Familien- und Arbeitsrechts eine kostenlose Beratung an.

Die Termine:

Mittwoch, 08.11.2017, 17:30 - 18:30 Uhr

Mittwoch, 13.12.2017, 17:30 - 18:30 Uhr

Ort: SPD-Laden in der Kita Aventura, Nikolsburger Platz 6, 10717 Berlin (U-Bahnhof Hohenzollerndamm).

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